ARINC 629

Das Bussystem aus Multitransmittern

Die Erschließung des Himmels durch die Entwicklung des ersten richtigen Verkehrsflugzeugs im Jahre 1914 war ein Meilenstein in der Geschichte der Zivilisation, und auch ebenso der Grundstein für die Entstehung komplexer Systeme und hochwertiger Techniken, um selbst über den Wolken für höchstmögliche Sicherheit zu sorgen.

Was heutzutage bei einer normalen Betrachtung eines Flugzeugs nicht ersichtlich ist, sind die abertausend kleinen Mosaikteile, die dafür sorgen, dass solch ein Verkehrsmittel vom Boden abheben kann. Hierzu zählt auch das ARINC 629, bei welchem es sich um ein Bussystem aus Multitransmittern handelt, welches bi-direktional verläuft und eigens von der Firma Boeing für eines ihrer Flugzeuge, die Boeing 777, entwickelt wurde. Bei der Boeing 777, die häufig auch den umgangssprachlichen Namen „Triple Seven“ erhält, wurde 1994 vorgestellt und ist auch heute noch das weltgrößte zweistrahlige Flugzeug, welches zur Beförderung von Passagieren dient. Das ursprüngliche Bussystem von Boeing wurde von der Firma ARINC auf Grundlage des ARINC 429 zu ARINC 629 weiterentwickelt, sodass mittlerweile dank dieser Technik der Anschluss von 120 Terminals möglich ist.

ARINC 629 – Funktionsweise

Das ARINC 629 ist ein Bussystem, also ein System, welches der Datenübertragung dient und das im Bereich der Avionik zum Einsatz kommt. Hierbei handelt es sich um einen Begriff für die Gesamtheit aller elektrischen Instrumente, die sich an Bord eines Flugzeugs-abgesehen von der Kabine-befinden. Die Datenübertragung geschieht hier in exakt festgelegten Zeitintervallen und über eine zweiadrige Leitung, die entweder optisch oder elektrisch ausfallen kann. Für diesen Vorgang stehen bei dem ARINC 629 zwei verschiedene Protokolle zur Verfügung:

1. Das Baisprotokoll

Hierbei handelt es sich um eine Art des Protokolls, bei welcher drei unterschiedliche Zeitintervalle festgelegt sind, in welchen die Daten versendet und empfangen werden. Zum einen gibt es das Sendeintervall, welches in der Fachsprache auch als „transmitting interval“, also „übertragendes Intervall“ bezeichnet wird. Dieses Protokoll des ARINC 629 halt bei allen Terminals gleichlange Busse und wird initialisiert, sobald eine Übertragung auf diesem datentechnischen Bus beginnt. Erst wenn das übertragende Intervall mit der Übermittlung der Daten fertig ist, kann ein Gerät wieder von neuem beginnen zu senden.

Das zweite Protokoll ist die Synchronisation, bei welcher ebenso wie bei dem Sendeintervall die Terminals eines Busses stets die gleiche Länge haben. Allerdings ist die Synchronisation kürzer als das „transmitting interval“ und startet genau in den Momenten in welchen keine Übertragung von Daten auf dem Bus (binary unit system) vonstattengeht. Schaltet sich während der Synchronisation ein anderes Gerät in die Datenübertragung ein, so wird hier der Timer auf die Ausgangssituation zurückgesetzt. Letztlich gibt es bei dem Basisprotokoll noch die Geräteerkennung, bei welcher, im Gegensatz zu den ersten zwei beschriebenen Basisprotokollarten die Terminals alle eine unterschiedliche Länge haben. Diese Protokollart des ARINC 629 legt gewissermaßen den Ablauf der anderen Protokolle fest, da die Geräteerkennung erst beginnt, wenn die Synchronisation beendet ist und auch kein anderes Gerät noch über den Bus überträgt. Zudem wird der Timer zurückgesetzt, wenn ein Gerät beginnt Daten zu senden, noch ehe die Geräteerkennung abgelaufen ist.

2. Das kombinierte Protokoll

Auch hier gibt es drei verschiedene Ebenen, die den Datentransfer innerhalb des ARINC 629 regeln. Das „combined protocol“ wird besonders bei der Abfertigung von Ergebnissen verwendet, die nicht in einer festgelegten Periode ablaufen. Auf der ersten Ebene, die auch Level 1 genannt wird, befindet sich die periodischen Daten, die auch gleich dem Basisprotokoll in einer festgelegten Reihenfolge und mit gleicher Länge übertragen werden. Auf dem zweiten Level werden besonders die kürzeren Ergebnisse und die häufigeren nichtperiodischen Ergebnisse übertragen. Zudem werden die Daten, wenn ein deterministischer Zyklus vorhanden ist, am Ende des Vorgangs miteinander ausgetauscht. Level 3 ist dann im Kombinierten Protokoll für die längeren Ergebnisse und die nichtperiodischen, welche seltener auftreten,verantwortlich. Am Ende des zweiten Levels kommt es zum Austausch zwischen diesen Datenergebnissen, insofern noch restliche Zykluszeit vorhanden ist.
Die Protokollebenen Level 2 und Level 3 können nicht zusammen verwendet werden.

ARINC 629 - das entscheidende Bindeglied im Flugzeug der Neuzeit

Aus der Avionik ist das ARINC 629 nicht mehr wegzudenken, da es dank mehrerer Verbesserungen mittlerweile zuverlässig für die Sicherheit und problemlose Funktionalität der Geräte innerhalb eines Flugzeuges sorgt.Den hohen Standard dieses Protokolls zeigt sich in der Vielfältigkeit des Einsatzortes, obgleich es natürlich speziell für die Boeing 777 ausgelegt ist, und an der Geschwindigkeit. So werden Daten mit einer Rate von 2 Mbps übermittelt. Auf der Grundlage des ARINC 429 bietet sich das ARINC 629 als eine hochleistungsorientierte Spezifikation an. Die Besonderheit an der Verwendung eines Protokolls der Firma ARINC liegt jedoch darin, dass zwischen der zivilen und militärischen Version kein wesentlicher Unterschied im Standard auffindbar ist.